Das Schneebergland als Modellregion für aktives Altern

Neue Formen der Nahversorgung, generationengerechtes Bauen, organisierte Nachbarschaftshilfe für Ältere im Alltag: das Schneebergland ist dank zahlreicher Pilotmaßnahmen im Rahmen des EU-Projektes Active Ageing auf dem besten Weg, eine Modellregion für aktives Altern zu werden.

Das Schneebergland war die erste Region in Niederösterreich, die das Thema demografischer Wandel aufgegriffen hatte. Dies erfolgte im Rahmen einer durch das EU-Programm „Leader“ geförderten Regionalanalyse, dem so genannten „Demografie-Check“. 
Die Region ist sehr inhomogen. Ein Bonus, den das Schneebergland hat, sind die großen Industriebetriebe, die erfolgreichen Klein- und Kleinstunternehmen sowie die touristische Attraktivität. Allerdings schwankt die Region zwischen großen Bevölkerungszuwächsen ganz im Osten, im Großraum Wiener Neustadt, und starken Rückgängen in seinen vielzähligen peripheren Lagen.  In Kombination mit der steigenden Lebenserwartung und dem Aufbrechen alter Familienstrukturen sind neue Strategien für die Regionsentwicklung gefragt.
Die Region baute ihre Vorreiter-Rolle aus, indem sie sich der Entwicklung von beispielhaften Initiativen und Handlungsoptionen widmete, die den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen. Dies erfolgte 2013-2015 im Rahmen des EU-Projektes „Active Ageing", das sich zum Ziel gesetzt hatte, aus dem Schneebergland  und der ungarischen Partnerregion Keszthely Modellregionen für ein aktives Altern zu machen.

Eine Umfrage hat ergeben: die Bevölkerung des Schneeberglandes hat eine sehr starke Bindung an ihre Gemeinde. Ihr größter Wunsch ist, vor Ort alt werden zu können, am liebsten im eigenen Haus. Die Voraussetzungen dafür fehlen jedoch noch. Die Befragten beschäftigen sich kaum mit dem Altwerden, und somit sind die Gemeinden als Vordenker, Gestalter der Rahmenbedingungen und Impulsgeber gefragt. Als Pilotregion hat das Schneebergland den Vorteil, ganz neue Maßnahmen ausprobieren zu können. Themen wie Mobilität, Gesundheit, öffentlicher Verkehr, sozialer Zusammenhalt und Ähnliches sind wichtige Ansatzpunkte, alle Pilotmaßnahmen sind immer auf die konkrete regionale Situation zugeschnitten. Dieser umfassende Zugang ist neu und macht das Schneebergland zum Vorreiter.

Hier unsere Projekte zum Thema Active-Ageing:

 

Neue Formen der Nahversorgung als Mittel gegen die Abwanderung

Im Projekt wurde ein Standortkatalog der 18 Gemeinden des Schneeberglandes erstellt, der den Ist-Zustand aufgezeigt: Wo sind Greißler, Supermärkte, Ärzte, Apotheken, Gasthäuser, Kaffeehäuser, Trafiken, Bahn- oder Bushaltestellen? Auf den ersten Blick scheinen die Gemeinden gut versorgt. Problematisch ist die Situation in (Streu-) Siedlungen abseits der Ortskerne. Eine Situation, die Ältere bei zunehmender Mobilitätseinschränkung vor Probleme stellt.

Neue Formen der Nahversorgung sowie die Weiterentwicklung bestehender Kooperationen sollen in Zukunft die Versorgung der Bevölkerung sichern. Vorzeige-Beispiele aus dem In- und Ausland wurden zusammengestellt, die Inputs liefern. Daraus können in Zukunft individuell angepasste Lösungen für die Gemeinden entwickelt werden.

   

 

Gemeinde und Region attraktiv für Ältere gestalten

Von barrierefreien Zugängen zu Ämtern, Geschäften, Kaffeehäusern etc. profitiert nicht nur die ältere Wohnbevölkerung, sondern auch Schwangere, Eltern mit Kinderwägen, Gehbehinderte oder Kranke. Darüber hinaus sind die Ansiedlung von sozialen Betreuungseinrichtungen oder betreute Wohnanlagen wichtig, damit man sorglos Alt werden kann in der Region.

Im Projekt wurden zwei Pilotgemeinden, Bad Fischau-Brunn und Gutenstein, auf ihre „Tauglichkeit“ für die ältere Wohnbevölkerung untersucht. Im Rahmen einer Ortsbegehung wurde die Ist-Situation durch ExpertInnen und Zuständige vor Ort untersucht und nötige Umbauten aufgelistet. Zusätzlich wurde ein Leitfaden erstellt  für Gemeinden, PlanerInnen und Bauwillige, der die wichtigsten Grundregeln zur Barrierefreiheit enthält, die man gleich beim Neubau beachten sollte. Eine rechtzeitige kluge Planung spart nachträgliche Kosten!

   

 

Bevölkerungsumfrage

Die Universität Wien führte eine Bevölkerungsumfrage zum Thema „Lebensqualität und Alt werden im Schneebergland“ durch. Sie ergab unter anderem, dass es der größte Wunsch der Bevölkerung ist, im Ort alt werden zu können – am liebsten im eigenen Haus.

Die Ergebnisse dieser Befragung sind ein entscheidender Baustein im Projekt, da er die Einstellung der SchneebergländerInnen zum Alt werden aufzeigt und die demografische Entwicklung verdeutlicht. Darauf aufbauend können wichtige Ansätze zum Thema Alt werden in der Region abgeleitet werden.

   

 

Nachbarschaftshilfe für Ältere im Alltag

Unterstützung im Alter durch die Familie wird zunehmend seltener und zur Frage von Zeit und Geld.

Unter dieser Voraussetzung wurde im Projekt die Initiative „Mobile Hilfe“ gestartet. Sie hilft, die alltäglichen Stolpersteine im Leben eines älteren Menschen zu bewältigen, wenn keine Familienangehörigen einspringen können. Diese kostenlose Unterstützung für ältere MitbürgerInnen gibt es auf Gemeindeebene in mittlerweile vier Gemeinden des Schneeberglandes. Sie wird von lokalen ehrenamtlichen HelferInnen getragen und reicht von kleineren Reparaturarbeiten, Gassi gehen mit dem Hund, Rasenmähen, Unterstützung bei Behördenwegen, bis hin zu Besuchen und Plaudern bei Einsamkeit.

   

 

Generationen verbinden - Zusammenhalt stärken, Verständnis schaffen

Das Miteinander der Generationen ist ein wichtiger Aspekt im Projekt, der die regionale Identität und den sozialen Zusammenhalt in der Region stärken soll. Dazu wurden in Österreich und Ungarn unterschiedliche Maßnahmen gesetzt:

  • Rezeptheft & Videoclip: In Form eines länderübergreifenden Rezeptheftes, einer „Regionspartnerschaft zum Nachkochen“,  wurden Koch- und Backanleitungen für traditionelle regionaltypische Gerichte gesammelt. Dazu passend wurde ein generationenübergreifendes Kocherlebnis mit der NMS Pernitz organisiert.  Unter dem Motto „Kochen mit Omi“ schwangen 7 SchülerInnen und 9 Großmütter gemeinsam den Kochlöffel.  Ein Wissenstransfer über die Generationen hinweg und ein schönes gemeinsames Erlebnis waren das Ergebnis.
  • Internet-Schulung für SeniorInnen: Die Einführung in „Die weite Welt des Internet“ fand in der NMS Pernitz statt. Das Besondere daran war, dass diesmal die Jungen, also die SchülerInnen in die Rolle der Lehrmeister schlüpften und gemeinsam mit ihrem Informatik-Lehrer HOL Josef Leeb ihr Wissen an die Älteren weitergaben. Denn neben der Vermittlung von wichtigem Wissen ging es bei dieser Schulung auch um die Verbesserung der Kommunikation und des Zusammenhalts der Generationen.
  • Regionsarchiv: Erinnerungen über das Leben und Begebenheiten von „damals“ beinhalten immer auch Wissen, das für die regionale Geschichte von Bedeutung ist und nicht verloren gehen darf. Damit Erzählungen und Dokumente auch für die kommenden Generationen bewahrt werden können, wurde für das Schneebergland ein digitales Regionsarchiv eingerichtet.
  • Generationengarten: In der ungarischen Partnergemeinde Keszthely wurde ebenfalls eine Aktion zum generationenübergreifenden Wissenstransfer gestartet. Wertvolles traditionelles Wissen über heimische Kulturpflanzen und deren Pflege wurde von Alt an Jung weitergegeben – praxisnah durch das Anlegen und die Betreuung eines gemeinsamen „Generationengartens“.
   
   

 

Grenzüberschreitende Veranstaltungen

Neben regionalen Maßnahmen wurden auch gemeinsam mit der ungarischen Partnerregion Keszthely Veranstaltungen organisiert und Erfahrungsaustausch initiiert. Es fand eine grenzüberschreitende Generationenveranstaltung statt, es wurden zwei Konferenzen organisiert, bei denen auch wichtiger Input von ExpertInnen und Betroffenen geliefert wurde, und es fand ein intensiver Know-how-Transfer zwischen Pflegeeinrichtungen und Pflegekräften aus Ungarn und dem Schneebergland statt u.v.m.

 

Förderung: Das Projekt Active Ageing wurde im Rahmen des Programms zur grenzüberschreitenden Kooperation Österreich-Ungarn 2007-2013 durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, das Seniorenreferat des Landes Niederösterreich und Ungarn gefördert.

   

 

 
     

 

Qualitätsbetriebe  SchneeberglandUnsere BotschafterKultur SchneeberglandRegionsarchivTourismus SchneeberglandWirtschaft SchneeberglandNÖ-Bildungsdatenbank Kontakt Impressum